Kino: “Spuren – Die Opfer des NSU” am 27. und 29. Februar

„Das Bild seines Gesichts verschwimmt. Ich bekomme es nicht mehr scharf. Es ist nur noch eine Leere in mir.“ (Gamze Kubaşik, Tochter von Mehmet Kubaşik, der am 4. April 2006 als achtes NSU Opfer ermordet wurde) © Salzgeber & Co. Medien GmbH

In Kooperation mit dem Murnau-Filmtheater zeigen wir den Film:

Spuren – Die Opfer des NSU

Zwischen September 2000 und April 2007 wurden acht Männer mit türkischen Wurzeln, ein griechischstämmiger Mann sowie eine deutsche Polizistin ermordet. Die Ermittlungen wurden zunächst ausschließlich im Umfeld der nicht-deutschen Opfer mit Verdacht auf Drogenhandel und organisierte Kriminalität geführt. Die Familien der Ermordeten wurden so ein weiteres Mal zu Opfern, diesmal von vorurteilsvoller Stigmatisierung. Nach einem gescheiterten Bankraub führte die Spur schließlich zu der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Nach dem Suizid der beiden Haupttäter begann 2013 der Prozess gegen die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe, sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer und endete 2018. Die zu milden Strafen für die Mitangeklagten und die zahlreichen ungeklärten Fragen ließen die Angehörigen der Opfer enttäuscht und desillusioniert zurück. Ihr Glaube an den Rechtsstaat ist grundlegend erschüttert.

Spuren – das sind nicht nur die Hinweise, die Verbrecher am Tatort hinterlassen, sondern auch die Verletzungen und Narben, die ihre Taten bei den Angehörigen der Opfer, in den migrantischen Gemeinschaften und in der gesamten deutschen Gesellschaft verursachen. In ihrem Dokumentarfilm begibt sich die türkischstämmige Regisseurin Aysun Bademsoy auf die Suche nach diesen Spuren und stellt sich dabei die Frage, welcher Prozess diese Verletzungen überhaupt heilen könnte. SPUREN ist ein vielschichtiger Dokumentarfilm, der das Scheitern von Ermittlern und Justiz beleuchtet – und den Angehörigen der Opfer endlich eine Stimme gibt.

„Natürlich wird der Verlust diese Menschen immer begleiten, werden die ungeklärten Fragen sie immer behandeln und doch werden sie weiter leben. In diesen Bildern geht es nicht mehr nur um Normalität, sondern auch darum, diesen Menschen die Stimme zu geben, die man ihnen im Prozess nicht zuteilwerden ließ.“ (film-rezensionen.de)

“Das Vertrauen in die Demokratie und den Rechtsstaat, das die Protagonist*innen in Spuren schon verloren haben, droht auch bei vielen anderen Menschen enttäuscht zu werden.” (ze.tt.de)

Regie: Aysun Bademsoy, DE 2019, 81 min, DCP, OmU, FSK: ab 12

Donnerstag, 27. Februar um 18 Uhr (OmU)
Samstag, 29. Februar um 20.15 Uhr (OmU)
Eintritt: 7€/6€

Murnau-Filmtheater, Murnaustraße 6, 65189 Wiesbaden